Sing it, sister!

Ein überwältigendes Wochenende liegt da hinter uns. Anders kann ich es nicht sagen. Vom 06.06.25 bis zum 08.06.25 fand in Greifswald das erste Frauenchorfestival in Mecklenburg-Vorpommern statt – Sing it, sister! Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung vom Amateurmusikfonds des BMCO konnten wir Chöre und Einzelsängerinnen aus MV und den angrenzenden Bundesländern einladen, mit uns Frauenchormusik zu feiern.

Unser Motto „Sing it, sister!“ bedeutet viel mehr als „Sing es, Schwester“. Es ist ein Ausdruck für Zustimmung, Ermutigung und Solidarität. Der Ausdruck wird nicht nur unter Frauen verwendet, ist für Frauen aber besonders wichtig. Frauenstimmen und -chöre, mussten in der Musikgeschichte lange schweigen. Ihre Qualität wurde geringgeschätzt und auch heute noch sind sie viel zu unterrepräsentiert. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen eine Plattform bieten, damit noch viel sichtbarer wird, welche besonders berührende musikalische Ausdruckskraft Frauenchöre haben und dass sie eben nicht „monoton und dabei marklos“ sind, wie im Dommer Musikalischen Lexicon von 1865 zu lesen ist.

Umso erfreuter waren wir, dass nicht nur drei Greifswalder Frauenchöre unserer Einladung gefolgt sind und mit ihren ganz unterschiedlichen Profilen das Festival bereichert haben, sondern auch Teilnehmerinnen u.a. aus Schwerin, Hamburg und Osnabrück dabei waren.

Das Herzstück des Festivals bildeten die Workshops mit den Leiterinnen Carolin Strecker, Johanna Seiler und Marleen Wolter – alle drei ein großer Glücksgriff. Die einzelnen Einheiten waren sehr intensiv und sorgten spürbar für Begeisterung. Viele der Methoden lagen außerhalb meiner Komfortzone. Genau so war es auch intendiert, denn nur durch das Ausprobieren neuer Dinge kann Wachstum entstehen. Und gewachsen sind wir an diesem Wochenende alle. Bei der Auswahl der Workshops war mir genau das wichtig: den Chören einen geschützten Raum zu geben, um Neues auszuprobieren, ausgetretene Pfade zu verlassen, Konzert- und Stückgestaltung neu zu denken und das individuelle Potenzial der Sängerinnen zu entfalten und zu stärken, damit neue und ungewöhnliche Gestaltungsimpulse entstehen können.

Mit Carolin Strecker schärften wir den Ausdruck unseres Gesangs. Sie arbeitete viel mit Assoziationen und Bildern, die wir in unseren Ausdruck legten. Dabei aktivierten wir bewusst auch unsere eigenen Emotionen, um die Stücke authentisch zu gestalten. Zudem lernten wir, noch mehr aufeinander zu achten beim Singen.

Gruppenachtsamkeit spielte auch eine zentrale Rolle im Workshop mit Marleen Wolter. Durch verschiedene theaterpädagogische Übungen nahmen wir spielerisch den Raum ein, probierten Emotionen, Mimiken und Gesten aus und bewegten uns als Gruppe, wobei wir gemeinsam körperliche Ausdrucksformen und kleine szenische Sequenzen erprobten. Unserer Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, wodurch Unglaubliches entstehen konnte.

Der kreative Fluss setzte sich mit Johanna Seiler fort. Sie ermutigte uns, mit unserer Stimme zu experimentieren, loszulassen, was nicht passt und weiterzugeben, was sich richtig anfühlt. Nach allen Workshops war ich einfach nur überwältigt davon, was sich entwickeln kann, wenn Kreativität frei fließen darf, Chormitglieder sich angstfrei ausprobieren können und keine Proben- oder Konzertziele im Weg stehen. Unser Fazit war, dass auch für einen Chor auf der Bühne noch so viel mehr möglich ist, als einfach nur dazustehen und Noten zu singen.

Darüber hinaus hatten wir das große Prvileg, mit Katharina Gebauer zusammenarbeiten zu dürfen, die auf Musikfotografie spezialisiert ist. Sie hat nicht nur die besonderen Momente des Festivals fotografisch festgehalten, sondern auch mit Chorda filiarum ein Fotoshooting gestaltet. Hierbei sind tolle Bilder entstanden, die sich darauf freuen, veröffentlicht zu werden.

Höhepunkt des Festivals war die Ladies Night am Sonntagabend. Das Programm hätte abwechslungsreicher nicht sein können. Zunächst sang der Festivalchor gemeinsam das Stück „Down in the river to pray“. Es folgten die Nordsångare, der studentische Chor des Instituts für Fennistik und Skandinavistik der Uni Greifswald. Der Chor präsentierte Lieder aus Finnland, Schweden, Island und den Färöern und animierte das Publikum zum Tanzen. Eine ganz andere Facette brachte das FrauenChorEnsemble St. Nikolai mit. Sein abwechslungsreiches geistliches Repertoire reichte von Stücken aus dem 16. Jahrhundert bis zum emotionalen „Even when he is silent“ aus dem Jahr 2011 von Kim André Arnesen. Abschließend sang Chorda filiarum, passend zu einem Frauenchorfestival ausschließlich Werke von Komponistinnen, und zeigte damit noch einmal, wie ungerechtfertigt Frauen so lange in der Musikgeschichte übergangen wurden.

Den Abschluss bildete noch einmal der Festivalchor mit allen Teilnehmerinnen. Gemeinsam hatten sie den schwedischen Klassiker „Sommarpsalm“ sowie die Frauenchorhymne schlechthin „What happens when a woman takes power“ einstudiert. Um die Energie der Workshops auch noch in das Konzert mitzunehmen, improvisierte Johanna Seiler ganz am Ende mit dem Festivalchor und brachte sogar das zunächst etwas irritierte Publikum aus Vorpommern zum Mitmachen.

Mein Dank gilt unserem Jugendreferenten Julian, der mir alles abnahm, wozu ich keine Nerven hatte. Ebenfalls danke ich Caro und Elisabeth, die hinter den Kulissen dafür sorgten, dass immer alle gut versorgt waren und dass alles an seinem Platz war. Ein ganz großes Dankeschön geht zudem an den Amateurmusikfonds des BMCO, ohne den das Festival nicht hätte stattfinden können. Und natürlich bedanke ich mich bei allen Teilnehmerinnen, die sich auf diesen Auftakt eingelassen haben.

Visuelle Eindrücke finden sich auf unserer Instagramseite und bald auch in der Doku über das Festival.

Foto: @katharinagebauer

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